Eine Frage, die eine Agentur eigentlich nicht ehrlich beantworten kann
Wir sind eine Agentur. Wenn wir Ihnen sagen, dass Sie eine Agentur brauchen, dürfen Sie das getrost mit Vorsicht lesen. Deshalb dreht dieser Text die Perspektive um: Wir schreiben zuerst darüber, wann Sie uns nicht brauchen — und danach darüber, ab welchem Punkt Selbstbau in der Regel teurer wird als der Auftrag.
Vorweg eine Beobachtung aus vielen Erstgesprächen: Die meisten Menschen, die eine Website selbst bauen wollen, scheitern nicht an der Technik. Baukästen sind gut geworden, und KI-Generatoren erzeugen in Minuten ein ansehnliches Ergebnis. Gescheitert wird an drei anderen Stellen — an den Texten, an der Pflege und an dem Moment, in dem etwas Besonderes gebraucht wird, das das Werkzeug nicht vorsieht.
Wann Sie wirklich keine Agentur brauchen
Es gibt Situationen, in denen der Baukasten die richtige Antwort ist, und wir sagen das im Erstgespräch auch so.
Wenn Ihre Kundschaft überwiegend über Empfehlung kommt und die Website hauptsächlich bestätigen soll, dass es Sie gibt, reicht ein Baukasten vollkommen. Fünf Seiten, ein Bild, ein Kontaktweg, Öffnungszeiten. Dafür 3.000 Euro auszugeben, wäre Verschwendung.
Wenn Sie gerade erst anfangen und noch nicht wissen, wohin die Reise geht, ist eine schnelle, günstige Lösung sinnvoll. Sie lernen im ersten Jahr mehr über Ihre Kunden als jede Konzeptphase Ihnen vorher sagen könnte. Bauen Sie dann richtig, wenn Sie wissen, was gebraucht wird.
Wenn Sie Freude an der Sache haben und Zeit übrig ist, bauen Sie selbst. Der Lerneffekt ist echt, und Sie werden hinterher besser einschätzen können, was Sie einkaufen, falls Sie es später doch tun.
Die Rechnung, die im Baukasten-Tarif nicht steht
Der Vergleich „20 Euro im Monat gegen 3.000 Euro einmalig" ist unvollständig, weil er nur die Rechnung des Anbieters betrachtet, nicht Ihre eigene. In die ehrliche Rechnung gehört Ihre Zeit.
Eine ordentliche Selbstbau-Website kostet je nach Vorerfahrung zwischen 20 und 60 Stunden: Struktur überlegen, Vorlage aussuchen und anpassen, Texte schreiben, Bilder beschaffen und zuschneiden, Rechtstexte klären, alles auf dem Handy prüfen, Kleinigkeiten nachziehen. Wenn Sie Ihre eigene Stunde mit 50 Euro ansetzen — und das ist für die meisten Selbständigen konservativ —, liegen Sie bei 1.000 bis 3.000 Euro Eigenleistung. Das ist keine Kritik am Selbstbau, sondern nur die vollständige Rechnung.
Dazu kommt der laufende Aufwand — Updates, Sicherungen, Erreichbarkeit. Wir übernehmen das im Hosting, weil Anwendung und Server dann in einer Hand liegen. Eine Website, die niemand pflegt, altert sichtbar. Wer sie selbst pflegt, investiert dafür regelmäßig Zeit, die anderswo fehlt.
Die drei Stellen, an denen Selbstbau typischerweise kippt
Die Texte
Das Werkzeug gibt Ihnen ein leeres Feld und die Aufforderung „Über uns". Was dann entsteht, ist in neun von zehn Fällen eine Beschreibung des Unternehmens — und nicht das, was der Besucher sucht, nämlich eine Antwort auf seine Frage. Gute Websitetexte sind Verkaufstexte, und Verkaufstexte zu schreiben ist ein eigenes Handwerk. KI hilft hier inzwischen erheblich, ersetzt aber nicht die Entscheidung darüber, was überhaupt gesagt werden soll.
Der Moment, in dem etwas Besonderes gebraucht wird
Baukästen sind gut in dem, was vorgesehen ist. Sobald Sie etwas brauchen, das nicht vorgesehen ist — eine besondere Preislogik, eine Anbindung an Ihre Warenwirtschaft, ein Formular, das mehrere Schritte durchläuft, einen geschützten Bereich für Bestandskunden —, stoßen Sie an eine Wand. Die üblichen Auswege heißen Plugins und Workarounds, und beide erzeugen genau die Fragilität, die man eigentlich vermeiden wollte.
Die Pflege durch mehrere Personen
Solange eine Person die Seite pflegt, funktioniert fast jedes System. Sobald drei Personen Inhalte einstellen und jemand freigeben soll, brauchen Sie Rollen, Rechte und einen Ablauf. Baukästen bieten das entweder gar nicht oder in einer Form, die im Alltag umgangen wird.
Was KI-Website-Generatoren daran geändert haben
Ehrlich gesagt: viel. Die Generatoren erzeugen heute in wenigen Minuten Strukturen und Texte, für die man vor zwei Jahren Tage gebraucht hätte. Für den Einstieg ist das ein echter Gewinn, und wir raten niemandem davon ab, es auszuprobieren.
Was sie nicht ändern, ist der zweite Teil der Arbeit. Ein Generator weiß nicht, warum Ihre Kunden bei Ihnen kaufen und nicht beim Wettbewerber. Er weiß nicht, welche drei Fragen im Verkaufsgespräch immer gestellt werden. Er weiß nicht, dass Ihre wichtigste Zielgruppe die Seite auf einem alten Diensthandy öffnet. Diese Dinge stehen nirgends im Netz, sie stecken in Ihrem Kopf — und genau darum geht es im Erstgespräch einer guten Agentur.
Der zweite Punkt ist die Verantwortung. Wenn der Generator eine Datenschutzerklärung erfindet, die nicht zu Ihren tatsächlichen Diensten passt, haften Sie. Wenn ein Formular Daten ungeschützt überträgt, haften Sie. Diese Verantwortung lässt sich nicht an ein Werkzeug abgeben.
Ab wann sich die Agentur rechnet
Es gibt ein paar recht klare Schwellen.
Wenn die Website Umsatz erzeugen soll und nicht nur bestätigen, dass es Sie gibt. Sobald Anfragen, Buchungen oder Bestellungen über die Seite laufen, wird jeder Prozentpunkt Abbruchquote zu Geld. Dann lohnt es sich, dass jemand über Struktur, Ladezeit und Wegführung nachdenkt, der das täglich tut.
Wenn Abläufe abgebildet werden sollen. In dem Moment, in dem eine Seite mehr können soll als zeigen — Termine vergeben, Daten sammeln, Zugänge verwalten —, verlassen Sie das Gebiet der Baukästen.
Wenn Ihre Zeit teurer ist als der Unterschied. Bei 60 Stunden Eigenleistung und einem realistischen Stundenwert stehen Sie oft nicht besser da, dafür aber mit einem Ergebnis, das Sie nicht weiterentwickeln können.
Wenn Sie in ein, zwei Jahren mehr wollen. Der teuerste Weg ist der, den man zweimal geht: erst günstig bauen, dann alles neu machen. Wenn absehbar ist, dass mehr kommt, sollte die Grundlage von Anfang an tragfähig sein.
Der Mittelweg, über den zu selten gesprochen wird
Es gibt nicht nur „alles selbst" oder „alles vergeben". In der Praxis funktioniert die geteilte Variante oft am besten: Die Agentur baut die Grundlage — Struktur, Gestaltung, Technik, Rechtliches — und übergibt ein Redaktionssystem, in dem Sie Texte, Bilder und Links selbst ändern. Sie behalten die Kontrolle über die Inhalte, ohne sich um Technik kümmern zu müssen.
Genau so arbeiten wir am liebsten — nachzulesen bei Websites mit eigenem CMS. Nach dem Launch gibt es eine Einweisung, danach pflegen die meisten Kunden ihre Inhalte selbst. Wir kümmern uns im Hintergrund um Updates, Sicherheit und alles, was schiefgehen könnte. Das ist deutlich günstiger als ein Vollservice und deutlich stabiler als reiner Selbstbau.
Eine Variante davon: Sie schreiben die Texte, wir bringen sie in Form. Texte sind der größte Einzelposten, den Sie selbst übernehmen können, ohne dass die Qualität leidet — vorausgesetzt, jemand strukturiert vorher, worum es auf jeder Seite gehen soll.
Fazit: Die Frage ist nicht „wer baut", sondern „was soll es können"
Der Streit zwischen Baukasten und Agentur ist eigentlich der falsche Streit. Die entscheidende Frage lautet: Was soll diese Website in Ihrem Betrieb tun? Wenn die Antwort „vorhanden sein" ist, nehmen Sie den Baukasten und investieren Sie das gesparte Geld in etwas, das mehr bringt. Wenn die Antwort mit „Anfragen", „Bestellungen", „Abläufe" oder „unsere Kunden sollen dort etwas erledigen können" beginnt, wird es ein Projekt — und dann lohnt sich jemand, der solche Projekte häufiger macht als einmal.
Wenn Sie unsicher sind, welche Antwort auf Sie zutrifft: Beschreiben Sie uns Ihren Fall. Wir sagen Ihnen ehrlich, wenn ein Baukasten reicht. Das kostet uns einen Auftrag und spart Ihnen viel Geld — und beides ist in Ordnung.